OIDFA-Weltspitzenkongress in Groningen
4. bis 6. Juli 2008
Anlässlich dieses Treffens organisierte das Forum Alte Spitze vom 28.6. bis zum
6.7. eine Niederlandrundreise.
So reisten am Freitag, den 27.6. Klöpplerinnen und Klöppelinteressierte aus
Belgien, Deutschland, Schweiz, Spanien, Österreich und Italien nach
Übach-Palenberg an.
Im Schoß Zweibrüggen
öffnete der Deutsche Klöppelverband
für die Reiseteilnehmer seine Ausstellungen "Die Farbe BLAU in der Malerei und
Spitze", "Kostbarkeiten in Schwarz und Gold" und "Spitze heute und morgen".
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Am nächsten Morgen startete die Reise. Unser erster Halt war in Nijmegen.
Im Museum "Het Valkhof" erwartete uns die Spitzensammlerin Els Bartelink.
Sie führte uns durch die Sonderausstellung und erläuterte ihre Spitzen.
Beim nächsten Halt in Apeldoorn schauten wir in der Ausstellung «Floral
international» von Yvonne Scheele und ihrer Klöppelgruppe geklöppelte
Blumen in den Techniken Bedfordshire, Duchesse und Withof an.
Neben feinen
Spitzen und ihren vergrößerten Abbildungen, Bildnissen von Klöpplerinnen
konnten wir an einer großen Wand eine umfangreiche Klöppelsammlung bewundern.
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Im Museum Staphorst lernten wir das dortige Leben und die Lebensgewohnheiten
der Calvinisten kennen. Auf der Straße sahen wir, daß die älteren Frauen auch
heute noch ihre Trachten tragen.
Den letzten Stop des Tages legten wir in Kampereiland ein. Neben einer
Ausstellung zum Landleben am Eiselmeer wurde in dem 2006 von Henny und Henny
Boxmann eröffneten Museum ein Teil einer Haubensammlung
präsentiert.
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Abends im Hotel stellte uns Yvonne Krijgsman das neue von der LOKK
herausgegebene Buch: «Holländische Spitze - mit Zirkel und Lineal» vor und
stimmte uns somit auf den zweiten Tag ein.
An diesem fuhren wir zuerst zum Städtischen Museum Zwolle, wo wir im Erdgeschoß
die am Vorabend besprochenen Spitzen im Original ansehen konnten.
Im Obergeschoß waren die Trachtengewänder von Frau Gerridina Nijenhuis-Steen
ausgestellt. Sie lebte von 1892-1996 und vermachte dem Museum ihre gesamte
Garderobe. Anschließend suchten wir den Palais Het Loo in Apeldoorn auf.
Darin lebte die königliche Familie bis 1962. Wir besichtigten das Schloß und
bewunderten den Garten.
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«Letztes Eis» von Bettina Renn
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Weiter fuhren wir nach Vianen. In der Ausstellung «Gebrochenes Weiß» des
städtischen Museum stellten Künstler aus Deutschland, Niederlande und Belgien
moderne Spitzen aus.
Das grenzüberschreitende Projekt entstand vor 2 Jahren
zwischen dem Verband Kant in Vlaanderen aus Belgien, dem Forum Alte Spitze
aus Deutschland und der Landelijke Organisatie Kant Kunst aus den Niederlanden.
Eine Stadtführung durch Haarlem rundete den Tag ab.
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Am nächsten Tag hielten wir uns in Amsterdam auf. Zuerst zeigten uns
Stadtführer die Sehenswürdigkeiten. Dann gingen wir in das Rembrandthaus. Dort
trafen wir Lia Baumeister mit einigen Klöpplerinnen aus ihrer Gruppe.
In 6 Jahren klöppelten sie die Spitzen der Bezüge und Laken für die
Betten nach Vorlagen der alten Spitzen aus dem 17.Jhd. nach. Der Nachmittag
stand für eigene Erkundungen frei.

Unbekannter Künstler
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Gemeinsam mit einer Freundin waren wir in der verborgenen katholischen Kirche
«Amstelkring», die heute ein Museum ist. Darin hängt ein Bild von einem
sorgenvoll blickenden Vater mit seinen 3 Töchtern, wovon 2 an einem
Klöppelkissen sitzen. Zum Fenster wirft Nikolaus Geld herein, um die Geldnot
der Familie zu lindern und die Töchter vor der Prostitution zu bewahren.
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Am Dienstag fuhren wir nach Den Haag. Nach einer Stadtrundfahrt mit dem Bus und
einem Zwischenstopp am Strand, wurden wir durch die Innenstadt geführt.
In der anschließenden freien Zeit suchte ich die königliche Gemäldegalerie
Mauritshaus auf. Darin fand ich ein kleines Gemälde von Nicolaes Maes aus dem
17. Jhd. mit einer alten Klöpplerin. Am Nachmittag hielten wir uns in Volendam
auf. Zuerst sahen wir uns im Museum die Trachten an. Genau jene, die durch Frau
Antje in der Werbung bekannt gemacht wurde und als Synonym für «Holland» steht.
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Nach dem Abendessen war Lia Baumeister zu Gast und zeigte uns Spitzen aus ihrer
Sammlung, die wir auch selbst studieren durften.
Am fünften Tag fuhren wir nach Schellinkhout. Dort erwarteten uns Mitglieder
der 1913 gegründeten Klöppelschule «Jeder für alle Wijdenes». Sie erstellten
eine Ausstellung unter dem Thema: «Spitze aus der Vergangenheit für die
Zukunft». In einem Raum hingen Spitzen und Collagen, deren Entwürfe aus alten
ortstypischen Stallfenstern entstanden sind.
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Am Mittag erreichten wir Leeuwarden.
Im Friesischen Museum sahen wir uns die Sonderausstellung: «Die Holländische
Spitze» von Friesland an. Es wurden Spitzen an Bekleidung von der Geburt bis
zum Tod ausgestellt.
Im Anschluß gingen wir zum «Pakhuis Koophandel 't andere Museum». Hier
legten Frau Geersing-Dominik und ihr Mann ihre Sammlung in 25 Jahren
Reisetätigkeit an. Wir konnten Spitzen und Klöppelzubehör aus Europa,
Trachtenhauben, Oldtimer
sowie Radios in einer ständigen Ausstellung sehen.
Anläßlich des Kongresses
wurden Spitzensonderausstellungen zusammengetragen. In einer waren in
verschiedenen Techniken geklöppelte Tulpen ausgestellt. Aber auch zeitgemäße,
s' Gravenmoer-, Sluisspitzen ausgestellt.
Weiterhin wurden Arbeiten in der
von Schwester Judith entwickelten Spitzenart «Withof-Duchesse» gezeigt.
Darunter befand sich der einzige Auftrag, den die Schwester bekommen hat:
ein Mühlendeckchen mit dem dazugehörigen Tischchen.
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Am Nachmittag fuhren wir nach Dokkum weiter. Im Admiralitätshaus sahen wir uns
Spitzen von 1650 bis 1950 an. Am Abend bezogen wir in Groningen unser Quartier.
Nach dem Essen hielt Frau Stang einen Diavortrag über Gemälde mit
Klöpplerinnen.
Am Donnerstagmorgen besuchten wir die Petrus und Pauluskirche in Loppersum,
die vom 13. bis 16. Jahrhundert gebaut wurde. Danach fuhren wir zur Menkemaborg
nach Uithuizen.
Das ist ein Gutsschloss mit Gärten, Gräben und Grachten aus dem 18. Jhd.
In einem Zimmer des Schlosses wurden anlässlich des Kongresses verschiedene
Spitzen an Wäschestücken aus den Schränken öffentlich präsentiert.
Nach einem kurzen Abstecher ins Freilichtmuseum «Het Hoogeland» Warffum sahen
wir uns die Sonderausstellung «Moderne Spitzen» und «Historische Spitzen aus
der Sammlung von Jan Geelen» in Verhildersum an. Im Herrenhaus konnten wir
neben Einrichtungsgegenständen ein Bild einer Klöpplerin bei der Arbeit finden.
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Der letzte Ausflug des Tages führte uns nach Noordhorn. Dort besuchten
wir das Kostümmuseum «Goldener Löwe». Das Haus wurde 1622 als Taverne gebaut
und 1994 als Kostümmuseum und Galerie wieder eröffnet. Es werden heute
wechselnde Ausstellungen gezeigt. In diesem Jahr waren Kopfgeschmeide, Borden
und eine Sammlung von Hauben ausgestellt.
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Der Freitag stand uns für den Kongreß im Messehaus «De Oosterpoort» in
Groningen frei. Nachfolgende Ausstellungen wurden gezeigt: die
Jubiläumsausstellung «Ohne Grenzen», Withofspitze, Im Raum, Nadelspitze,
Gravenmoerspitze, «Vom dann zum jetzt» zeitgenössische Spitzen von Mariet
Visser-Bokkers und die Länderausstellung.
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Sieger in der Länderwertung: Spanien
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Zum Wettbewerb «Taschen» wurden 230 Arbeiten eingereicht.
Die Gewinnerin war Beatrice Müller aus Annaberg-Buchholz. Den 2. Preis bekam
Andree Lothaire aus Belgien. Den 3. Preis erhielt Kathleen Verspaille ebenfalls
aus Belgien. Ehrenhaft erwähnt wurde Christina Koukoulari aus Griechenland.

Beatrice Müller (1. Preis)
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André Lothaire (2. Preis)
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Kathleen Verspaille (3. Preis)
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Christina Koukoulari
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Händler boten ihre Waren zum Kauf an. Außerdem stellten auch OIDFA-Gruppen und
Klöppelverbände vor.
Neben dem Kongreßzentrum, in der Galerie «Kunst in de Kop», lud eine
Klöppelgruppe von 7 Frauen aus dem Ort «Beilen» zur Ausstellung "Beilen in
Groningen" ein.
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Am Samstagvormittag stand eine Stadtführung auf dem Programm. Danach konnten
wir selbst auf Entdeckungstour gehen.
Anschließend gingen wir in die Martinikirche. Dort stellten Künstler unter der
Leitung von Els Teeuwsen ihre Arbeiten unter dem Titel «Aufspüren eines
modernen Spitzenpfades - eine optische Kunstausstellung von experimenteller
Spitze» aus.

Kragen
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«Rondo» 2000 von Els Teeuwsen-Kraaijeveld
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«Happy Flowers» 2008 von Mimi Libregts-Geerts
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«Kimkracht» 2008 von Bets van Zeijl-Streef
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Die Bahnhofshalle von Groningen ist ein guterhaltenes Beispiel
für den Jugendstil.
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Am Sonntagmorgen begaben wir uns auf die Heimreise. Unterwegs hielten wir
zuerst in Orvelte. Im Drenthehof des dortigen Freilichtmuseums gab die NKO
(Stichting Nederlandse Kantopleiding) anläßlich ihres 25jährigen Bestehens eine
Überblicksausstellung über ihre Arbeit mit den Spitzen. Sie zeigte
Klöppelspitzen in verschiedenen Techniken.
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Danach besuchten wir das nationale Flechtmuseum in Noordwolde.
In einem kleinen Raum stellte Paula van Astenrode-Verzijden ihre
Spitzenkunstwerke im Rahmen einer Sonderausstellung aus.
Den letzten Stop der Reise legten wir in Milsbeek ein. Dort befand sich das
kleines Privatmuseum von Henny Jacobs, welches vor ca. 6 Monaten eröffnet wurde
und im Laufe der Zeit weiter ausgebaut werden soll.
Die Ausstellung «Vom Kissen zur Spitze» zeigte Klöppelkissen, Klöppel und
Spitzen aus aller Welt.
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Kurz darauf endete unsere Reise in Übach-Palenberg.
© Text und Fotos: Petra Pönisch
in: Information Nr. 53 des Sächsisch-Erzgebirgischen Klöppelverbandes 2008